Zur Barockisierung des Klosters Tegernsee

 

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Das Kloster Tegernsee wurde zwischen 1678 und 1770 unter der Regierung von vier Äbten nach und nach barockisiert. In der folgenden Abfolge von Rekonstruktionen versuchte ich diesen Prozess nach zu skizzieren. Nach meiner These wurde das spätmittelalterliche Kloster nicht komplett niedergerissen und dann nach und nach neu errichtet, sondern die vorhandenen Gebäude wurden erst dann abgebrochen, wenn der entsprechende Neubau in Angriff genommen wurde oder sie wurden barock „modernisiert“ und so in die neue Anlage integriert.

In der Abfolge richtete ich mich an die sehr ausführlichen Beschreibungen von Pius Bieri auf der Seite sueddeutscher-barock.ch. Dargestellt wird der Zustand der Klostergebäude jeweils im Jahr des Todes eines Abtes. Unberücksichtigt bleiben (vorerst) Innenausbau oder zu dieser Zeit bereits im Bau befindliche Bereiche. Der Übersichtlichkeit halber belasse ich die fertiggestellten Teile in der gegenwärtigen Farbgebung und gestalte die vorbarocken Teile nach dem Stick von Merian aus dem Jahre 1640.

 

 

Die Ausgangslage: als Abt Ulrich Schwaiger 1673 starb, hinterließ er seinem Nachfolger Bernhard Wenzl ein finanziell und personell solide aufgestelltes Kloster.

Südlich an die dreischiffige Kirche mit etwas niedrigeren Seitenkapelle (Darstellung nach Hans Georg Asams Stifterfresko) schließen sich Benediktbeuern vergleichbar die Abtei und der Konventstock an, der direkt zur Sakristei führt. Westlich der Kirche umschließen Wirtschaftsgebäude einen großen Hof. Entgegen Merians Darstellung gehe ich aufgrund anderer Stiche davon aus, dass dieser Gebäudekomplex nur zweigeschossig war. Der Torbau war ein Testungsturm, nördlich der Kirche stand sich im Klostergarten die Mühle.

Abt Bernhanrd Wenzl (1673 – 1700) begann den barocken Umbau am 21.03.1678, dem Benediktstag nach benediktinischer Tradition, 700 Jahre nach der Wiedererrichtung durch Kaiser Otto II. nach seiner ersten Säkularisierung.

Der Torbau reicht nun vom Tor bis zum See und lehnt sich im Norden an die Pfarrkirche Johannes Baptist an. Um einen nun vergrößerten Hof erheben sich drei dreigeschossige Flügel, die direkt am Nordturm der Klosterkriche anschließen. Die Mühle wurde in den Komplex integriert, daneben steht das Sudhaus der 1673 nach Tegernsee geholten, ehemanigen Holzkirchner Brauerei. Der Seeflügel reicht bis zu einem repräsentativen Portal, das gegenüber der Kirchentür in den Hof führt. Die Kirche wurde nun mit einem Querschiff versehen und die Seitenkapellen auf das Niveau der Seitenschiffe angehoben.

 

 

Abt Quirin Millon (1700 – 1715) führte die Erneuerung fort. Wegen der Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges und der kaiserlichen Besetzung Bayerns konnte er allerdings erst 1710 mit dem Bau des neuen Konvents beginnen.

Der neue Konventbau im Osten schließt direkt an die Apsis der Kirche an. Das Treppenhaus läuft auf den Eingang zum Psallierchor im Erdgeschoss zu. Vorläufig speisen die Mönche und ihre Gäste im Norden des Flügels; im Querbau ist die neue Küche untergebracht. Ein alter Querbau im Süden stellt die Verbindung des alten zum neuen Konvent dar.

Abt Petrus von Guetather (1715 – 1725) vollendete ab 1720 den ihm wichtigen neunjochigen Bibliotheksbau im Nordflügel und in gleicher Weise im Süden das Refektorium mit dem heutigen Barocksaal darüber.

Der Südflügel wird an den alten Konventbau angeschlossen. Hier entsteht nun ein vergrößerter Südhof. Im Neubau findet die endgültige Küche Platz. Die Alte Küche weicht einer modernen Druckerei unterhalb des Bibliothekssaales.

 

Abt Gregor I. Plaichshirn (1725 – 1762) hatte in seiner langen Amtszeit aufgrund weitgehender politischer Stabilität in Bayern die Möglichkeit, die Barockisierung weiter voranzutreiben.

Zur Tausendjahrfeier der Abtei 1746 lässt er westlich des Querschiffs zwei neue Seitenkapellen zu Ehren des hl. Benedikt und des hl. Quirinus errichten. Nun werden auch der Südflügel und der Abtsstock barock erweitert und umgestaltet. An das Vestibül (dem heutigen Marmorsaal) schließt sich ein repräsentatives Treppenhaus an.

Abt Benedikt Schwarz (1762 – 1787) konnte endlich mit der Errichtung des Schulflügels im Südwesten den barocken Gesamtplan abschließen.

Durch die Errichtung des Schulhauses und dem Anschluss an den Seeflügel ist der barocke Gesamtplan im Jahre 1770 nach 62jähriger Bauzeit vollendet. Es fehlen nun einzig noch die barocken Kirchtürme.

 

Abt Gregor II. Rottenkolber (1787 – 1803/10) trat sein Amt am Vorabend der Französischen Revolution an, die die Vollendung des Baues durch die Kirchtürme aufgrund hoher finanzieller Belastungen und schließlich der Klosteraufhebung am 17.03.1803 vereitelte.

Nach einer so lange währenden Umgestaltung des Klosters, die mit einem symbolträchtigen Datum begann, wollte man das Werk gewiss nicht einfach so fertigstellen. Dazu strebte man wahrschenlich ebenfalls ein symbolträchtiges Datum an. In Frage kamen der 21. März oder der Quirinstag am 16. Juni in den Jahren 1746 (Tausendjahrfeier), 1778 (hundertjähriger Baubeginn), 1804 (tausend Jahre Quirinus in Tegernsee) oder 1812 (tausend Jahre Errichtung der romanischen Doppelturmfassade). 1746 war die Anlage noch im Bau, 1778 hätte Benedikt Schwarz vielleicht die Mittel zur Fertigstellung gehabt, wollte sie aber möglicherweise in Demut seinem Nachfolger überlassen. 1804/12 war das Kloster nicht mehr existent.

Hier eine Visualisierung, wie das Kloster letztlich aussehen haben mag. Ich verwendete für die Turmzwiebeln jene von St. Peter zu Salzburg, die den Tegernseer Turmhelmen doch recht nahekommt. Geplant war vermutlich, die Turmzwiebeln auf die bestehenden spitzen Dachstühle der Turmhelme aufzusetzen. Hans Georg Asam deutet das in deinen Fresken im Psallierchor (Schutzengel und Mariä Himmelfahrt an. Dort sind die oberen Bereiche der Helme noch spitz gestaltet, während unten Zwiebeln aufgesetzt sind.

Es wurde im 18. Jahrhundert schon kritisiert, die Türme seien zu niedrig. Sie stehen aber mit der Kirchenfront im Verhältnis 1:1,56. Was auch der Theatinerkirche in München und ebenfalls der romanisch-gotischen Kirche entspricht. Ein vergrößerter Neubau der Kirche (wie im Idealplan von 1700) kam aus finanziellen und wohl auch traditionellen Gründen nicht in Frage – die Kirche ist im Kern seit der romanischen Basilika von 978/1012 die Gleiche geblieben. Folglich stimmen die Proportionen zwischen Kirche und Türmen; die umliegenden Gebäudeflügel sind aber für die Türme zu hoch geraten.

 

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