|
Kloster Tegernsee |
|
|
||
|
Zur Barockisierung
des Klosters Im Sommer
2026 realisierte ich eine Reihe von Rekonstruktionen, wie ich mir die
fortschreitende Umgestaltung der spätmittelalterlichen Anlage zum Barockkloster
von 1678 bis 1770/1803 vorstelle. Dabei ist davon auszugehen, dass die
älteren Gebäude entweder barock modernisiert wurden bzw. man sie erst
abbrach, als der barocke Neubau in Angriff genommen wurde. So gab es während
dieser Zeit ein Nebeneinander alter und neuer Gebäudeteile. Da meine
Aufstellung den Rahmen dieser Seite sprengen würde, habe ich sie auf eine
eigene Seite gestellt. Bitte folgen Sie dem Link. |
||
|
|
|
|
|
Zum
Tegernseer Torbau Johann Pöttinger
hatte in seinem Plan der barocken Klosteranlage gegen 1900 berücksichtigt,
dass direkt neben dem spätmittelalterlichen Torbau die Tegernseer Pfarrkirche
Johannes Baptist stand, was auch neue Radaruntersuchungen des Areals bestätigten.
Einem zweiflügeligen barocken Torbau, wie er im Idealplan von 1700
dargestellt wird, steht die Kirche allerdings im Wege. Daher wurde sie dort
einfach weiter nach Osten verlegt.
Pöttinger geht nun davon aus, dass der Torbau entsprechend so gebaut wurde,
wie er heute (noch) existiert, mit einem Zugang zum Kloster ganz am
nördlichen Rand mit anschließendem Seeflügel. So ein Bau, 1678 neu erreichtet
als repräsentativer Zugang zum Klosterkomplex, entspricht nun aber in keiner
Weise barocker Gestaltung, die strenge Symmetrie sucht. Da hilft auch kein
mittig vorgelagerter Turm, wie ihn Pöttinger vorschlägt. Darum
vertrete ich die Hypothese, dass es tatsächlich auch einen symmetrischen Nordfügel gab. Dieser wurde allerdings als schmale Verbelndungsgallerie gebaut, wie sie auch aus der
Münchner Residenz bekannt ist. Da die nördlichen Kirchenfenster
möglicherweise wie in Egern und Kreuth
witterungsbedingt zugemauert waren, stellt es kein Problem dar, wenn sich
dieser schmale Flügel an die Kirchenmauer anlehnte. Entsprechend wurde dieser
Flügel zusammen mit der Kirche 1804 abgebrochen. Bei künftigen
archäologischen Untersuchungen sollte diese These mit geprüft werden. |
||
|
|
||
|
Tegernseer
Lichtspiele. Die
Ausrichtung der Kirche, ihre (vorhandenen und 1824 zugemauerten) Öffnungen im
Westwerk und die Berge westlich des Seeufers lassen vermuten, dass die
Klosteranlage so abgestimmt wurde, dass das untergehende Sonnenlicht
bestimmte Tage im Kircheninneren markierte. Dieser
Thematik bin ich in einem Artikel nachgegangen, der in der Herbstausgabe 2018
des Tegernseer Tal Verlages zum Abdruck kommt. Eine
Anmerkung zu den Bildern unten: Frau Barbara Filipp informierte mich per Mail
am 15. Juli 2018, dass die Farbfassung der heutigen Anlage (ockergelb mit
weißen Fensterrahmungen) eine Umkehrung der ursprünglichen Farbfassung ist.
In meinen Rekonstruktionen ging ich bisher von einer rosa Fassung aus, weil
Rosa im Barock eine Modefarbe war und auch der Stuck in der Kirche zum
Millennium 1746 rosa gefasst wurde. Ich nehme aber den Hinweis gerne auf und
habe meine Bilder im September 2018 entsprechend geändert. |
||
|
|
||
|
Die
Arkaden am ehemaligen Westtrakt. 1803 nach
der Aufhebung des Klosters ließ sein Käufer, der Freiherr von Drechsel, die
Wirtschaftsgebäude, das repräsentative Treppenhaus und das Schulgebäude
westlich der Kirche auf dem Terrain der heutigen Schmetterlingswiese
abbrechen. Aufgrund vorhandener Grundrisse ist ersichtlich, dass der Trakt
gegenüber der Kirche mit Arkaden gestaltet war. Im Zentrum dieses Flügels
befand sich der Haupteingang zum Klosterkomplex, den man über den Torbau
(heute Altherrenhaus) und einem Weg am Seeufer entlang zwischen die heute noch
stehenden Bäume hindurch erreichte. Diese
Rekonstruktion orientiert sich am großen Innenhof des Klosters
Benediktbeuern. |
||
|
|
||
|
Es wurde schon in der Barockzeit bemängelt, die Türme seien zu niedrig.
Höhere Türme hätten auch einen größeren Kirchenraum erfordert und da war man
gebunden, weil man die romanische Kirche im Kern erhalten wollte. Die „zu
niedrigen“ Türme entstehen im Kontext der angrenzenden Gebäudeteile und
werden von den Bauäbten also in Kauf genommen worden sein. |
||
|
|
||
|
|
||
|
|
|
|
|
|
||
|
Diese
Rekonstruktion orientiert sich an dem Stich des Idealplans von 1700. Es stellt sich die Frage, ob das
Westwerk harmonisch zur Bemalung der Gebäudetrakte farblich gefasst war. Ich
gehe hier davon aus, dass auch die Türme wie heute noch die Westfassade mit
Tuffstein verblendet werden sollte. Die Türme sind erhöht worden, indem man
auf die bestehenden romanischen Türme (siehe unten) neue Glockenstühle
aufgesetzt hat. Die Turmhelme orientieren sich an den gotischen, sind aber
durch Hauben überblendet worden, die der Formensprache der Münchner
Theatinerkirche folgen. Das ist kein Zufall. Die Abtei hatte beste Kontakte zu
Kurfürst Ferdinand Maria und ließ von Enrico Zuccalli,
einem der Erbauer der Theatinerkirche St. Kajetan, die Pfarrkirche von Gmund
neu errichten. Der Barockplan der Tegernseer Klosterkirche orientiert sich
deutlich an St. Kajetan; vielleicht hatte Zuccalli
auch hierbei seine gestaltende Hand im Spiel. Es bleibt freilich fraglich, ob
die neuen Glockenstühle nicht die Statik der alten Turme
überfordert hätten. Außerdem wirkt die Fassade nicht harmonisch. |
||
|
|
||
|
|
||
|
In diesem
Bild versuchte ich den Zustand der Kirchenfassade und des Haupthofes zu
rekonstruieren, wie es sich vor der Säkularisation 1803 darstellte. Um die
romanischen Türme darzustellen, verwendete ich Teile der Kirchtürme von
Kreuth, eines Gründerfreskos aus der Tegernseer Kirche und des Domes von
Freising. Stiche von
1700, 1800 und 1803 belegen einen Giebel über der Westfassade, wie er hier
eingefügt wurde. In der
Westfassade selbst sind die beiden Fenster zu erkennen, die Leo von Klenze
zumauern lies, ebenso den Pilasterschmuck
und das ovale Mittelfenster der Orgelempore, das Klenze zum Rundfenster/Rose
verkleinerte. Die
Fassade der Klostergebäude war damals vermutlich nicht gelb/weiß gestrichen
wie heute. Der Hinweis, dass die Kirche innen zum Jubiläum 1746 weiß-rosa
gestaltet wurde, veranlasste mich zu der Annahme, dass eine solche Farbgebung
– korrespondierend zum Großen Innenhof von Benediktbeuern (dort grün/weiß) –
auch in weiß und rosa gestaltet wurde. Um die
barocken Fensterrahmen anzudeuten, bediente ich mich eines Palais in der
Kardinal-Faulhaber-Straße in München. Zu erkennen ist weiterhin der
Nordflügel der Westtrakte, die vor ihrem Abriss auf der heutigen
Schmetterlingswiese standen. Die vier Tore sind vom Grundriss der
Barockanlage als Durchgang durch die Wirtschaftsgebäude belegt.
|
||
|
|
|
|
|
Von der
Errichtung des spätgotischen Psallierchores östlich der ursprünglichen Apsis
bis zur Einziehung von Leo von Klenzes Holzwand zwischen Presbyterium und
Chor hatte der Kirchenbesucher einen freien Blick auf die Fresken- und
Stuckdecke des Chores bis zu dessen Apsis. Diese Grafik
versucht, diesen Blick zu rekonstruieren. Dazu wurden außer eigenen
Fotografien auch ein Bild aus dem Tegernseer Tal Verlag verwendet. Vom
Kirchenschiff über die Kuppel geht der Blick zur Pfingstdarstellung und
weiter über das Fresko der Kirchenpatrone zur Himmelfahrt Marias und dem
Schutzengel bis zum Kreuzigungsbild des mit Säulen umrahmten
Hochaltarblattes, das nun wieder in die Apsis des Chores verlegt ist. Es wird
davon ausgegangen, dass die Fensterrahmen im Chor natürlich in der gleichen
Art Stuckiert waren wie im Kirchenschiff, was offenbar nach 1824 abgeschlagen
wurde. Das Fresko der Patrone orientiert sich an der Form des
Schutzengel-Freskos. Aufgrund der beiden Apotheose-Bilder des heiligen
Benedikt und der heiligen Scholastika an den Wänden wurden die ursprünglich
eingefügten Fenster als zusätzliche Lichtquellen wieder „verschlossen“. Die
Wirkung des Kirchenraumes verlängert sich und die Apsis wird durch das Licht
der weiteren Fester deutlich heller. Bemerkenswert
wird nun die frei stehende „Chorschranke“ des Hochaltars, die durch zwei
Durchgänge mit dem Mönchschor verbunden ist und fast wie eine orthodoxe
Ikonostase wirkt. Da sie laut Sixus Lampl auch auf der Rückseite gestaltet
ist und den Altardienst auch dort über dem Hochgrab der Stifter ermöglichst,
ist davon auszugehen, dass sie auch wirklich hier und nicht unter dem
Altarblatt in der Apsis stand. Das
Stiftergrab befindet sich schon seit dem Mittelalter an derselben Stelle.
Ursprünglich wurde sie von jener Tafel bedeckt, die heute über dem
Kirchenportal angebracht ist. Bei der Barockisierung wurde das Grab der
heiligen Stifter zum Hochaltar umgestaltet. |
||
|
|
|
|
|
|
||
|
Seit Leo
von Klenze 1824 zwischen Mönchschor und Kirchenschiff eine Holzwand einzog,
ist der Tegernseer Freskenzyklus von Hans-Georg Asam nicht mehr vollständig.
Dank der Dokumentationen des Münchner Merkur vom 12./13. März 2011 und dem
Tegernseer Tal Verlag von 2011 konnte nun das Bildprogramm des „Tegernseer
Himmels“ auf dem Grundriss der Kirche (© Dr. Sixtus Lampl) komplett
dargestellt werden: Auffällig
ist die starke Konzentration des Bildprogramms auf Jesus Christus. Der Zyklus
beginnt über der Orgelempore (links) mit der Geburt Jesu und zeigt im
Mittelschiff weitere Szenen von Jesu göttlicher Offenbarung: Die Huldigung
der Drei Weisen, der Zwölfjährige im Tempel, die Taufe Jesu im Jordan, die
Verklärung auf dem Berg Tabor. „Durchkreuzt“ werden diese Bilder vom Kreuzweg
in den Seitenschiffen. Beginnend mit dem (nicht biblischen) Abschied Jesu von
seiner Mutter Maria (über der Huldigung) wechseln die Bilder immer zwischen
nördlichem und südlichem Seitenschiff hin und her: Das Gebet im Garten
Getsemani, der Verrat des Judas, Geißelung, Verspottung durch die Soldaten,
„ecce homo“, Jesus fällt unter dem Kreuz und Kreuzigung. Dann folgen in der
Fortsetzung dieser Bewegung die Auferstehung (nördliches Querschiff und die
Himmelfahrt (südliches Querschiff. Zielpunkt des Ganzen ist die Kuppel in der
Vierung (die erste Flachkuppel nördlich der Alpen), eine
Allerheiligendarstellung mit der Trinität im Kuppelscheitel –
bemerkenswerterweise mit einer Darstellung, wie sie im lateinischen Westen zu
dieser Zeit verboten, im orthodoxen Osten aber üblich war. Richtete
sich die Abfolge der dargestellten Kirchenfeste bis hierher nach der
Biographie im Leben Jesu nach den Evangelien, so folgen die östlich der
Kuppel dargestellten Feste deren Datum im Kalender: Pfingsten (50 Tage nach
Ostern - über dem Hochaltar), die Kirchenpatrone Petrus, Paulus, Quirinus,
Chrysogonus und Castorius (16. Juni/ 29. Juni - heute in der Holzwand
verborgen bzw. im Psalierchor übermalt; © Münchner Merkur 2011), Mariä
Himmelfahrt (15. August; © Tegernseer Tal Verlag 2011), der Schutzengel
(damals 1. Sonntag im September; © Tegernseer Tal Verlag 2011) und,
ursprünglich als Abschluss, die Kreuzigung des Altarbildes als Darstellung
der Kreuzerhöhung (14. September – in der Apsis des Psalierchores, heute über
dem Hauptaltar). Alle
weiteren Fotos: Dr. Meiner
Meinung eine perspektivische Nachbildung des ursprünglichen Tegernseer
Altares bietet der Hochaltar von Gmund am Tegernsee, der ersten Pfarrkirche
im Tal. Die Idee, das Stiftergrab als Hochaltar in die Mitte zwischen
Möncheschor und Gemeinde zu rücken, folgt dem Vorbild von Monte Casino, dem
Mutterkloster der Benediktiner. Es wäre wünschendwert,
Hans-Georg Asams Gesamtwerk durch die Entfernung der Klenze’schen Abtrennung
wieder sichtbar werden zu lassen. |
||
|
|
||
|
Als das
Kloster am 17. März 1803 offiziell aufgehoben wurde, war es kein Konkursfall,
sondern vielmehr ein modernen Konzern auf der Höhe
seiner wirtschaftlichen und kulturellen Blüte. 1678, am
700. Jahrestag seiner Restaurierung nach den Ungarneinfällen begann mit der
Grundsteinlegung des neuen Torbaues (das „Altherrenhaus“ im Vordergrund) die
barocke Neugestaltung des gesamten Klosterkomplexes. Bis zum Jahre 1770 war
der „Masterplan“ von Abt Bernhard Wenzel vollständig umgesetzt – mit Ausnahme
der Kirchtürme. Ihre Fertigstellung verzögerte sich vermutlich durch die
finanziellen Belastungen während der Koalitionskriege und waren vielleicht
für die Millenniumsfeier der Errichtung der Türme 1812 vorgesehen; zu dieser
Zeit gab es aber das Kloster schon nicht mehr. Heute
stehen noch der Westteil des Torbaues und die Osttrakte mit der Kirche. Die
Wirtschafts- und Schulgebäude im Westen wurden bereits kurz nach der
Säkularisierung niedergerissen. Heute sind dort die Schmetterlingswiese und
der unschöne Parkplatz. |
||
|
|
||
|
Im Jahre
1824 baute Leo von Klenze im Auftrag seines Königs Max Joseph I. das Westwerk der Tegernseer Klosterkirche um. Ziel war es
ursprünglich, das Westwerk der Himmelfahrts-Kirche über der Spanischen Treppe
in Rom zu kopieren. Bis dahin
standen die beiden, 1004 und 1012 (die erste Doppelturmfassade nördlich der
Alpen!) vollendeten romanischen Türme unverblendet zu beiden Seiten der aus
Tuffstein gestalteten Barockfassade. Das Bild, das ich für einen Artikel zu
den romanischen Türmen im Tegernseer Tal Verlag verfasst hatte, rekonstruiert
die Türme so, wie so vermutlich ohne Klenzes Umbau heute noch bestehen
würden. Nach dem
Barockplan hätten die Türme architektonisch untergliedert, eventuell erhöht
und mit barocken Turmhelmen bekrönt werden sollen. Dazu kam es nicht mehr.
Finanzielle Belastungen während der Koalitionskriege und Napoleonischen
Kriege verhinderten eine Fertigstellung an einem für das Kloster sinnfälligen
Datum (z.B. 1812 – 800 Jahre nach Errichtung der Türme). |
||
|
|
|
|